Die Schlossinsel Rantzau

12./13. Jahrhundert: Turmhügelburg der Herren von Barmstede

14.-17. Jahrhundert “Haus Barmstedt” - Landesherrliche Burg der Schauenburger Grafen

1650-1726 Residenz der freien Reichsgrafschaft Rantzau

1726-1866 Administratur der königlich-dänischen Grafschaft Rantzau

1867-1975 Amtsgericht

Seit 1985: Kunst - Café - Museum - Musik

Die dänische Epoche Schleswig-Holsteins

Historische Zeichnung der Schlossinsel von F. von Duhn mit der Zugbrücke und einigen Gebäuden der Schlossinsel von 1836

   Die Lithographie des Elmshorner Grafikers R. v. Duhn von ca. 1835 zeigt die drei Schlossinseln. Links lugt das Haus des Administrators zwischen den Bäumen auf der hinteren Insel hervor, auf der mittleren Insel das damalige (inzwischen ersetzte) Gerichtsgebäude von C. F. Hansen mit der kleinen Kaserne, rechts davon die vordere Insel mit dem großen Stall, der kleinen Remise und dem Haus des Amtsverwalters. Ganz rechts die alte Zugbrücke, die noch bis 1836 ihren Dienst tat.

Schneebedecktes Scheune der Rantzauer Wassermühle, altes Foto vom Anfang des 20. Jahrhunderts

Die Schlossinsel bestand ursprünglich aus drei Inseln in der aufgestauten Kriückau. Sie bildete im 19. Jahrhundert die königlich-dänische Administratur der Grafschaft Rantzau, die den nördlichen Teils des heutigen Kreises Pinneberg umfasste. Sie steht für die fast 140 Jahre währende Zugehörigkeit dieser Region zur dänischen Krone - von 1726 bis 1864.

Die Gebäude ließ die königliche Regierung in Kopenhagen nach 1800 auf den Grundmauern der jeweiligen Vorgängerbauten errichten. Das alte Residenzschloss der Rantzauer Grafen, das Amtsverwalterhaus, das Pfortenhaus mit Gefängnis und das Gerichtshaus wurden abgebrochen und durch epochentypische Neubauten ersetzt. Andere Häuser, wie die Kaserne und der große Stall, aber auch die Zugbrücke verschwanden.

Die weiterhin “Schloß Rantzau” genannte Anlage war bis zum Sieg der Preußen über Dänemark und Österreich Verwaltungszentrum der Grafschaft Rantzau und Sitz des Administrators und des Amtsverwalters. Danach blieb hier nur noch ein Amtsgericht bestehen. Das Vorwerk, also der landwirtschaftliche Betrieb vor der Inselanlage, wurde eingestellt, die große Scheune abgerissen.

Als 1934-37 der Reichsarbeitsdienst den Rantzauer See aushob und die Krückau kanalisierte, wurden auch die Wasserläufe zwischen den Inseln zugeschüttet, so dass eine größere Insel im neuen Rantzauer See entstand.

1975 wurde das Amtsgericht Rantzau mit Elmshorn zusammengelegt, so dass in das Gerichtsgebäude das Museum der Grafschaft Rantzau einziehen konnte. 1984 erhielt die Stadt Barmstedt die Insel vom Land Schleswig-Holstein als Geschenk. Sie verpflichtete sich im Gegenzug, die Insel als Museum und für öffentliche Zwecke zu nutzen.

Seitdem ist die Insel nicht nur ein herausragendes kulturgeschichtliches Denkmal, sondern auch ein kultureller Hotspot für die Region.

Zum Schloss Rantzau gehörte die Wassermühle. Sie wurde 1815 mit der im Vordergrund stehenden Schleusenscheune und dem neuen Müllerhaus dahinter neu ausgestattet. Die Bauern des Kirchspiels, die verpflichtet waren, ihr Getreide hier mahlen zu lassen, waren auch am Bau beteiligt. Das Wasser der Krückau trieb die Mühle über zwei Mühlräder an, die besonders im Winter, wenn der Müller die Au aufstauen durfte, fast durchgehend in Betrieb waren. Von November bis März war deshalb das gesamte Sumpfwiesengebiet bis nach Barmstedt überflutet. Heute befinden sich dort der Rantzauer See , die Krückauwiesen und der Krückaupark.

Das nebenstehende Foto zeigt die Mühlenscheune und das Müllerhaus von 1815. Das Müllerhaus wurde 1962 nach einem schweren Sturmschaden abgerissen, die Scheune erlitt 1973 das gleiche Schicksal.

Herrenhaus auf der Schlossinsel. Klassizistisches Gebäude des Architekten Christian Frederik Hansen von 1807

Das Gerichtshaus

heute Museum der Grafschaft Rantzau

Das Gerichtsgebäude wurde 1863, im letzten Jahr der dänischen Herrschaft über Schleswig-Holstein, geplant. Das Projekt blieb aber während des deutsch-dänischen und des deutsch-deutschen Krieges liegen. Erst 1867, als Preußen Schleswig-Holstein in Besitz genommen hatte, wurde es gebaut und als Amtsgericht in Betrieb genommen. Bis 1975 versahen die Amtsrichter und Justizangestellten hier ihren Dienst, bis der Bezirk mit Elmshorn zusammengelegt wurde. Seit 1979 befindet sich hier das Museum der Grafschaft Rantzau, aufgebaut von einer Gruppe um Jochen und Ursula Proll, die hier das älteste Museum des Kreises Pinneberg wieder zu neuem Leben erweckten. 2018 übernahm eine neue Gruppe die Arbeit, modernisierte die Ausstellungskonzeption und zeigt in Sonderausstellungen unterschiedlichste Aspekte der Barmstedter und Rantzauer Geschichte.

Gerichtsschreiberhaus von 1826. Hier befindet sich heute die Galerie III

Das Herrenhaus

Der durch die Palmaille in Hamburg-Altona bekannte klassizistische Architekt und dänische Landbaumeister Christian Frederik Hansen entwarf 1805 das Administratorenwohngebäude - früher oft Schloss, dann Herrenhaus genannt. Es wurde auf den Grundmauern des alten Schlosses von 1653 erbaut, ist allerdings erheblich kleiner, da es nur noch die Familie des Administratoren und einige Hausangestellte beherbergen sollte.

Der erste Bewohner war der Kammerherr und aufklärererische Schriftsteller August von Hennings (1808-1826). Er begrüßte zunächst die französische Revolution, distanzierte sich dann aber aufgrund des Terrors. Während der napoleonischen Kriege wurden das dänische Barmstedt und Rantzau von feindlichen schwedischen, russischen und preußischen Truppen  besetzt, wobei nach der Einquartierung und Verpflegung der Soldaten eine schwere Typhusepidemie das Land heimsuchte.

Der letzte Administrator war Adolf von Moltke (1849-1868), Bruder des einen und Vater des anderen Generals Helmut von Moltke. Er wurde 1867 erster Landrat des neu gebildeten Landkreises Pinneberg in der Provinz Schleswig-Holstein. Seitdem wurde das Haus zur Dienstwohnung des jeweiligen Amtsrichters.

Gerichtsgebäude von 1867. Hier befindet sich heute das Museum der Grafschaft Rantzau.

Das Gerichtsschreiberhaus

heute Atelier-Galerie III

Das Torhaus zur Linken am Eingang zur Schlossanlage war der Sitz des Amtverwalters und Hausvoigts der Grafschaft. Er war gleichzeitig auch Kirchspielvoigt von Barmstedt und Stellvertreter des Administrators. Das jetzige klassizistische Gebäude mit seinem rundbogigen Portal entstand 1828 unter der Regie des Nachfolgers von C.F.Hansen, dem Landbaumeister Heylmann. Als das Amt des Amtsverwalters in preußischer Zeit abgeschafft wurde, war hier die Dienstwohnung des Gerichtsschreibers.

Heute befindet sich hier die Atelier-Galerie III benannte Kunstgalerie mit offenem Atelier für Malerei und Bildhauerei von Karin Weißenbacher.

Das damalige Gerichtsschreiberhaus um 1900.