Die Schlossinsel Rantzau

im 12. Jahrhundert als Wasserburg der Herren von Barmstede entstanden

Zentrum der Region über fast 900 Jahre

Offenes Denkmal der dänischen Epoche in Schleswig-Holstein

   Die Lithographie des Elmshorner Grafikers R. v. Duhn von 1852 zeigt die drei Schlossinseln noch
   mit dem alten Gerichtsgebäude, der kleinen Kaserne, dem großen Stall und der Zugbrücke.

Die Gebäude der Schlossinsel aus dem 19. Jahrhundert bildeten die königlich-dänische Administratur der Grafschaft Rantzau, also des nördlichen Teils des heutigen Kreises Pinneberg. Sie stehen für die fast 140 Jahre währende Zugehörigkeit dieser Region zur dänischen Krone - von 1726 bis 1864.

Die Bauten, damals noch auf drei Inseln in der aufgestauten Krückau, ließ die königliche Regierung in Kopenhagen nach 1800 auf den Grundmauern ihrer jeweiligen Vorgänger errichten. Das alte Residenzschloss der Rantzauer Grafen, das Amtsverwalterhaus, das Pfortenhaus mit Gefängnis und das Gerichtshaus wurden abgebrochen und durch epochentypische Neubauten ersetzt. Andere Häuser, wie die Kaserne und der große Stall, aber auch die Zugbrücke verschwanden.

Die weiterhin “Schloß Rantzau” genannte Anlage blieb bis zum Sieg der Preußen über Dänemark und Österreich Verwaltungszentrum der Grafschaft Rantzau und Sitz des Administrators und des Amtsverwalters. Danach blieb hier nur noch ein Amtsgericht bestehen. Das Vorwerk, also der landwirtschaftliche Betrieb vor der Inselanlage, wurde eingestellt, die große Scheune abgerissen.

Als 1934-37 der Rantzauer See durch den Reichsarbeitsdienst ausgehoben wurde, wurden die Gräben zwischen den Inseln zugeschüttet, so dass eine große Insel im Rantzauer See entstand.

1975 wurde das Amtsgericht Rantzau mit Elmshorn zusammengelegt, so dass in das Gerichtsgebäude das Museum der Grafschaft Rantzau einziehen konnte. 1984 erhielt die Stadt Barmstedt die Insel vom Land Schleswig-Holstein als Geschenk. Sie verpflichtete sich im Gegenzug, die Insel als Museum und für öffentliche Zwecke zu nutzen.

Seitdem ist die Insel nicht nur ein herausragendes kulturgeschichtliches Denkmal, sondern auch ein kultureller Hotspot für die Region.

Zum Schloss Rantzau gehörte die Wassermühle. Auch sie wurde 1815 mit der Schleusenscheune und einem neuen Müllerhaus neu ausgestattet. Die Bauern des Kirchspiels mussten bei diesem Bau helfen und ihr Getreide hier mahlen lassen. Das Wasser der Krückau trieb die Mühle über zwei Mühlräder an, die besonders im Winter, wenn der Müller die Au aufstauen durfte, durchgehend in Betrieb waren. Von November bis März war das gesamte Wiesengebiet bis nach Barmstedt deshalb überflutet.

Das nebenstehende Foto zeigt die Mühlenscheune und das Müllerhaus von 1815. Das Müllerhaus wurde 1962 und die Scheune 1973 abgerissen.

Das Gerichtshaus

heute Museum der Grafschaft Rantzau

Das Gerichtsgebäude wurde 1863, im letzten Jahr der dänischen Herrschaft über Schleswig-Holstein, geplant. Das Projekt blieb aber während des deutsch-dänischen und des deutsch-deutschen Krieges liegen. Erst 1867, als Preußen Schleswig-Holstein in Besitz genommen hatte, wurde es gebaut und als Amtsgericht in Betrieb genommen. Bis 1975 versahen die Amtsrichter und Justizangestellten hier ihren Dienst, bis der Bezirk mit Elmshorn zusammengelegt wurde. Seit 1979 befindet sich hier das Museum der Grafschaft Rantzau, aufgebaut von einer Gruppe um Jochen und Ursula Proll, die hier das älteste Museum des Kreises Pinneberg wieder zu neuem Leben erweckten. 2018 übernahm eine neue Gruppe die Arbeit, modernisierte die Ausstellungskonzeption und zeigt in Sonderausstellungen unterschiedlichste Aspekte der Barmstedter und Rantzauer Geschichte.

Das Herrenhaus

Der durch die Palmaille in Hamburg bekannte klassizistische Architekt und dänische Landbaumeister Christian Frederik Hansen entwarf 1805 das Administratorenwohngebäude - früher oft Schloss, dann Herrenhaus genannt. Es wurde auf den Grundmauern des alten Schlosses von 1653 erbaut, ist allerdings erheblich kleiner, da es nur noch die Familie des Administratoren und einige Hausangestellte beherbergen musste.

Der erste Bewohner war der Kammerherr und aufklärererische Schriftsteller August von Hennings (1808-1826). Er begrüßte zunächst die französische Revolution, distanzierte sich dann aber aufgrund des Terrors. Während der napoleonischen Kriege wurden das dänische Barmstedt und Rantzau von feindlichen schwedischen, russischen und preußischen Truppen  besetzt, wobei nach der Einquartierung und Verpflegung der Soldaten eine schwere Typhusepidemie das Land heimsuchte.

Der letzte Administrator war Adolf von Moltke (1849-1868), Bruder des einen und Vater des anderen Generals Helmut von Moltke. Er wurde 1867 erster Landrat des neu gebildeten Landkreises Pinneberg in der Provinz Schleswig-Holstein. Seitdem wurde das Haus zur Dienstwohnung des jeweiligen Amtsrichters.

Das Gerichtsschreiberhaus

heute Atelier-Galerie III

Das Torhaus zur Linken am Eingang zur Schlossanlage war der Sitz des Amtverwalters und Hausvoigts der Grafschaft. Er war gleichzeitig auch Kirchspielvoigt von Barmstedt und Stellvertreter des Administrators. Das jetzige klassizistische Gebäude mit seinem rundbogigen Portal entstand 1828 unter der Regie des Nachfolgers von C.F.Hansen, dem Landbaumeister Heylmann. Als das Amt des Amtsverwalters in preußischer Zeit abgeschafft wurde, war hier die Dienstwohnung des Gerichtsschreibers.

Heute befindet sich hier die Atelier-Galerie III benannte Kunstgalerie mit offenem Atelier für Malerei und Bildhauerei von Karin Weißenbacher.